Der Weinbrand – Das deutsche Pendant zum Cognac und was den Weinbrand so besonders macht

Ich bin ein großer Fan der deutschen Weinbrände. Ein wenig die Cinderella der Brandy Familie. Ich bin von Hause aus schon immer für den Underdog. Dass der deutsche Weinbrand sich aber nicht hinter seinen französischen Kollegen verstecken braucht, will ich heute verdeutlichen.

Was für Bilder hatte ich im Kopf, wenn ich das Wort Weinbrand gehört habe?? Genau: Altherren Riegen, die sich ohne Frauen mit Zigarre in irgendwelche Hinterzimmer verziehen und sich gegenseitig lobhudeln. Oder Opa, wie er mit seinen Freunden beim Skatspielen sitzt.

Das hat sich aber grundlegend geändert. Brandy ist zum Hipstergetränk avanciert und wird , meiner Meinung nach, den nächsten Trend ausmachen. Er könnte den Gin ablösen oder sich zumindest zu ihm gesellen… In die Szenebars und Cocktailgläser. Denn da ist er schon angekommen. Die Cocktailrezepte werden immer häufiger mit einem guten Brandy gemixt.

Der deutsche Weinbrand hat einen großen Vorteil.

Er ist weniger eingeschränkt, als die französischen Cognacs und Armagnacs. Die strengen Regelungen lassen nur sehr begrenzte Anbaugebiete zu. Bei unserem edlen Weinbrand ist das nicht der Fall. Aus deutschen Anbaugebieten kann individuell entschieden werden, welche Traube so säurehaltig ist, dass sie perfekt passt. Denn auch beim Weinbrand muss eine Traube her, die sehr viel Säure hat und wenig Alkohol produziert. Da ist bei 8-12 Volumenprozent Alkohol Schluss.

Nachdem der Wein fertig gekeltert wurde, kommt der Weinbrand in die Destillation. Hier wird auch das Doppelbrandverfahren angewendet. Es entsteht nach dem ersten Brand der Raubrand mit ca. 40 Volumenprozent Alkohol und bei der zweiten Destillation der Feinbrand mit 70-80 Volumenprozent Alkohol.

Der Wein kommt hier ebenfalls in Kupferkessel, den Alambics, in denen der Wein gleichmäßig und behutsam erhitzt wird. Alkohol und einige Aromastoffe sieden schon bei 75 Grad Celsius. So wird der Weinbrand vom Wasser, den Fuselölen und den giftigen Stoffen getrennt. Bei beiden Brennverfahren wird nur der Mittellauf, das Herz aufgefangen. Nur dieser eignet sich für die Reifung und den späteren Genuss.

Der Begriff “ deutscher Weinbrand” ist ein geschützter Begriff

…genauso wie der Begriff “Cognac” oder “Armagnac”. Allerdings gelten hier andere Regeln. Ein Weinbrand darf sich erst Weinbrand nennen, wenn er 36 Volumenprozent Alkohol enthält.

Beim “deutschen Weinbrand” sogar 38 %. Das, in den Fässern gelagerte, Destillat muss mindestens für 6 Monate in den Eichenfässern gelagert werden. Bei 1000 Liter Fässern sind es 12 Monate Mindestlagerungsdauer.

Bei den qualitativ hochwertigen Weinbränden sind es meist deutlich längere Lagerungszeiten, bis hin zu mehreren Jahrzehnten. Je länger im Fass, desto weicher und aromatischer wird der Weinbrand. Die Jüngeren sind meist nicht minder gut, aber anders.

Ein erfahrener Kellermeister versteht es sehr gut, auch aus den Jüngeren einen wunderbaren Weinbrand herzustellen. Denn es kommt auf die Intention und die Komposition des Kellermeisters an, was er gerne, mit seiner individuellen Vermählung der verschiedenen Eaux de Vie ausdrücken möchte.

Der Weinbrand darf seinen Alkohol nur aus dem Wein beziehen.

Es dürfen keine anderen Alkohole, wie zum Beispiel, Agraralkohole zugesetzt werden, wie das bei anderen Spirituosen üblich ist. Der Zusatz von Zucker- und Farbstoffen ist bei der gesamten Brandy-Familie zulässig, aber viele sehr gute Hersteller verzichten bewusst darauf, um das Weindestillat nicht zu verfälschen.

Egal ob Weinbrand, Cognac, Armagnac oder andere Vertreter der gebrannten Weine, die gesetzlichen Mindestanforderungen werden stets eingehalten und fast immer um ein Vielfaches übertroffen. Es ist nicht unüblich, dass ein hervorragender, höherpreisiger deutscher Weinbrand locker mit einem XO Cognac oder Armagnac mithalten kann.

Es steht nur nicht so explizit drauf. Was preislich ein großer Vorteil für den Genießer und Kenner ist. Bekommt man doch so enorm hochwertige Weinbrände für einen sehr günstigen Preis, im Vergleich zu qualitativ gleichwertigen Cognacs. In Deutschland gibt es nicht diese Klassifizierung der Altersstufen, wie in Frankreich.

Hier kann man sich durchaus auf das Preisgefüge verlassen. Dem Weinbrand sind, preislich, nach oben keine Grenzen gesetzt. Aber auch für 20-25 € bekommt man schon gute deutsche Weinbrände.

Weinbrand – im Eichenfass

Aber nochmal zurück in den Keller. Wenn der Wein zum Feinbrand destilliert worden ist, wird er vorrangig in Limousin-Eichenfässer gelagert. Genauso gerne werden in Deutschland aber auch Steineichenfässer verwendet. Die Limousin-Eichenfässer sind großporiger und lassen den Wein im Fass besser atmen und geben so reichlich Geschmack und das gewünschte Aroma- Bouquet an den Brand ab. Die Fässer werden vorher getoastet. Da passiert tatsächlich genau das, was man erahnt. Das Innere des Fasses wird vom versierten Kellermeister, fachmännisch, mehr oder weniger ausgebrannt bzw. angebrannt. Je nachdem wie präsent die Holzaromen im späteren Weinbrand herausschmeckbar sein sollen, wird das Fass mehr oder weniger stark getoastet.

In der Schatzkammer der Destillateure, dem Paradies, werden dann vom erfahrenen Blender die verschiedenen Eaux de Vie zum unnachahmlichen, markenspezifischen deutschen Weinbrand vermählt. Dann wird das, vom Holz, meist bernsteinnuanciert gefärbte Genusselixier, in die Flaschen abgefüllt.

Die deutschen Hersteller geben sich sehr viel Mühe, ihre Produkte in einem guten Licht zu präsentieren. Da werden sich spezieller Flaschenformen bedient, oder ein aufwendiges Etikett designet oder andere unverwechselbare Kleinigkeiten genutzt. Das Marketing hat da wirklich einen großen Sprung nach vorne gemacht.

Weinbrand – beeindruckende Vielfalt

Die Aromavielfalt ist mindestens genauso vielschichtig, wie seine hochgelobten, französischen Weinbrand-Geschwister. Es kommt wie bei allen anderen auch, auf die Trauben an. Die Beschaffenheit der Böden, die unterschiedlichen Kalkkonzentrationen, die Sonnendauer und vieles mehr, beeinflussen die Weinernte ungemein und machen aus der Herstellung auch immer eine Art Glücksspiel und die Erfahrung der Meisterblender ist unverzichtbar, um kostbare und umwerfende Weinbrände herzustellen. Das alles macht es zu einem unglaublich spannenden und komplexen Themengebiet. Es macht enorm viel Spaß sich mit den verschiedenen Vertretern der Brandy- Familie zu beschäftigen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden und ständig Neues darüber dazuzulernen.

Ich hoffe, ich konnte einen ersten Überblick zum deutschen Weinbrand vermitteln, habe Neugier geweckt und das Interesse, sich auch einmal dem Weinbrand zu widmen. Es ist mein Herzenswunsch dem angestaubten Image der Brandys eine neue, junge Sichtweise zu geben.

Wenn euch der Artikel gefallen hat, würde ich mich sehr über Feedback freuen. Genauso suchen wir immer auch neue Ideen über Artikel, die wir schreiben können, um dem Thema mehr Tiefe zu geben. Also immer her mit den Fragen und Anregungen. Und bitte fleißig teilen. Danke fürs lesen und bis zum nächsten Mal.

Wenn Dir der Text gefallen hat, dann schau Dir doch auch mal den hier an: “Hallo Cognac”

Quellen:

https://weinbraende.com/

https://www.spirituosen-verband.de/beitrag/weinbrand/

https://spuernasen-wein.de/

https://www.alkoblog.de/

https://www.chemie-schule.de/KnowHow/Brennen_(Spirituose)